Ein Brief aus Kreta:

Gemeinsam in der Gruppe wandern wir einen Berg hinauf, auf dem eine kleine Kapelle steht. Schweigend, um den Weg und die Umgebung ganz bewusst und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Oben, am Kapellchen angelangt sucht sich jeder einen Platz, setzt sich und lässt von hier aus den Blick schweifen – über die Weite der Landschaft mit dem bis zum Horizont reichenden Meer.

Aus dieser Perspektive gesehen, sind wir ein kleiner Punkt, eingebettet in ein großes Ganzes um uns herum, und dennoch ein Teil davon. Vom Kommen und Vergehen, vom Aufblühen und Welken, vom Werden und Schwinden – alles hat einen Rhythmus und wir schwingen mit.

Es ist uns möglich, auch unser Leben aus dieser Perspektive zu betrachten. Wir können den Blick weiter werden lassen und so auch in unseren Herzen mehr Raum entstehen lassen für das Gesamtbild, indem wir eingefügt unser Leben leben, mit all seinen Höhen und Tiefen.

Wie wäre es wohl, das Ganze mit allem Drum und Dran einfach so zu lieben, wie es ist, und die Liebe trotz allem größer sein zu lassen, als all unseren Kummer? Immer wieder erleben wir Veränderungen, Verluste und Erneuerungen – aber die Welt dreht sich weiter – also: atmen wir, entspannen wir uns und leben immer nur diesen einen Tag!

Achtsamkeit – ein weiteres Werkzeug, das uns in diesem Jahr auf Kreta unterstützt hat, das Geheimnis des „glücklich seins“ neu zu ergründen.
Was bedeutet uns Glück im Alltag?
Ist es möglich dauerhaft glücklich zu sein?
…Und von welcher Art Glück reden wir überhaupt?

Wahrscheinlich fällt es uns doch leichter unglücklich zu sein, denn wenn ich mich unglücklich fühle, gehe ich den einfacheren Weg und lasse zu, dass mich die äußeren Umstände bestimmen.
Glück hingegen ist etwas, wofür wir uns anstrengen müssen. So wie Achtsamkeit ist es kein Geschenk der Natur, sondern eine Haltung, die wir unser Leben lang weiterentwickeln und pflegen können. Das Ziel dabei ist nicht die Flucht aus unserem Alltag oder „esoterische Erleuchtung“, sondern liebevolle Aufmerksamkeit für mich in jedem Augenblick.

Ein bekannter Meditationslehrer beschreibt Achtsamkeit als eine Qualität des Geistes, mit der wir wahrnehmen, was geschieht, ohne zu bewerten oder gar einzugreifen.
Klingt sehr einfach, ist aber tatsächlich ein sehr anspruchsvolles Programm, das unsere Aufmerksamkeit und Entschiedenheit braucht. Weshalb auch nicht gleich Erleuchtung eintritt, nur weil wir im Kreta-Seminar täglich auf dem Meditationskissen sitzen! Die Meditation auf dem Sitzkissen ist nur die „Turbo-Übung“ im „Fitnesscenter“ des Geistes, der nach Achtsamkeit strebt!
Im Grunde können wir Achtsamkeit immer und überall trainieren. Wir können achtsam essen und gehen, achtsam Auto fahren, achtsam Gemüse schnippeln, staubsaugen oder mit unserem Partner sprechen.

Es ist die Bereitschaft, allem stets ganz neu und nicht „wissend“ zu begegnen, selbst den vertrautesten Situationen. Sie entsteht, wenn wir nicht sofort urteilen und die Sichtweise und Erfahrung des Anderen genauso gelten lassen können, wie unsere eigenen. Achtsamkeit und unsere Fähigkeit, unsere Perspektive verändern zu können, sind also wirkungsvolle Werkzeuge auf unserer Suche nach dem Glück!

Hier auf Kreta, abseits vom alltäglichen, betriebsamen Leben, erinnern wir uns wieder und richten unseren Kompass neu aus! Denn nur wenn wir einander bewusst begegnen und mit all unseren Sinnen anwesend sind, schaffen wir „Quality-Time“, die uns aufs Neue mit uns selbst verbindet. Gemeinsam haben wir in diesen Tagen viel erlebt; allein mit uns selbst, in der echten, ehrlichen Begegnung mit dem Anderen, in vielen Gesprächsrunden, in denen wir unser Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen uns und unserer Umwelt vertieft haben, und auch indem wir miteinander Wanderungen und Ausflüge ans Meer unternahmen.

Alle diese Wege, die wir zusammen gegangen sind, dienten vielleicht nur dazu, die Perspektive zu verändern, mit der wir bisher aufs Leben geschaut haben und neugieriger auf uns selbst und unser Gegenüber zu werden.

Dass wir diese Wege gegangen sind hat uns gezeigt:

  • dass wir letztendlich nur von uns selbst abhängig sind
  • dass wir andere Menschen brauchen, um unsere Wege zu gehen, aber nicht immer einen bestimmten Menschen
  • dass wir den Schmerz, den Veränderung, Verlust und auch das verlassen und verlassen werden mit sich bringt, ertragen können – und weitergehen

also: dass wir, und nur wir, für unser Leben – und somit auch unser Glück – verantwortlich sind.

Wir sollten uns dafür einsetzen, glücklich zu werden, denn Glück entsteht nicht einfach so. Der erste (und vielleicht wichtigste) Schritt in diese Richtung besteht darin, sich klar zu werden, was Glück für dich bedeutet; dich dann mit all deinen Zweifeln, Konditionierungen und Widersprüchen zu beschäftigen und dich bis zum Ende auf diese Suche einzulassen – d.h. für immer!
Tief in uns begründetes Glück ist sicher nicht an unseren „Erfolg“ im Leben gekoppelt. Unglückliche Menschen scheinen über ihren Erfolg nicht glücklicher zu werden, und vormals glückliche Menschen werden über Erfolge in ihrem Leben auch danach nicht glücklicher sein.

Auch mit Vergnügen hat tiefes Glück nicht viel zu tun. Vergnügen, egal welcher Art, ist gekoppelt an Dinge im Außen – und vorüber, sobald wir diese Dinge nicht mehr haben können. Selbst die Liebe ist uns kein Garant fürs Glück (auch wenn uns das so immer wieder erzählt wird) – Liebe entsteht erst über eine tiefe Partnerschaft und diese benötigt Zuwendung und Austausch – ohne unseren persönlichen Einsatz führt sie eher ins Unglück.

Glücklich-sein hat auch nichts mit der Abwesenheit von Schmerz und leidvollen Lebenssituationen zu tun – wer das glaubt, vergibt von vorneherein ca. 50% seiner Lebenszeit, denn der Schmerz gehört in jedem Leben dazu. Er kann uns aber den Weg zeigen, wenn wir lernen, uns auch diesen Situationen im Leben zu stellen – und so letztlich viel Gutes bewirken.
Und schließlich sollten wir uns auf der Suche nach dem Glück, auch folgendes Phänomen im Leben bewusst machen: die Psychologen nennen es „die Präsenz des Abwesenden“.

Wir Menschen neigen dazu unser Glück zu sabotieren, indem wir in den schönsten Momenten nach jedem noch so winzigen Makel suchen; unser Denken und unsere Aufmerksamkeit richtet sich fast wie von selbst auf das , was fehlt oder anders sein sollte -das was wir haben, wofür wir dankbar sein können verschwindet dahinter.

Es braucht ein bisschen Übung, den Blick wieder auf die Schönheit und Fülle in unserem Leben zu lenken – aber es lohnt sich: diese Dankbarkeit dem Leben gegenüber ist ein weiterer Schlüssel zum Glück!

Eine andere Perspektive einnehmen, Achtsamkeit für unser Handeln und Reden entwickeln und Dankbarkeit für das, was da ist – nach und nach nimmt unsere Suche nach dem Glück Fahrt auf, die Richtung scheint zu stimmen, wir entspannen uns zusehends in der Einfachheit der Tage hier in der Sonne.

Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen um mit unserer ganz persönlichen Forschungsreise zu beginnen.

Im afrikanischen Stamm der Dragara heißt es, jeder Mensch komme mit einer bestimmten Fracht zur Welt, die er ins Leben auszuliefern habe. Nichts bringt soviel Erfüllung und Sinn in unser Leben, wie das Finden unseres persönlichen Potentials –  um dann diese Fähigkeiten anzuwenden und einzubringen.

Hier auf Kreta , ohne die Ablenkung und den Druck unseres Alltags, bekommen wir leichter wieder einen Blick für die Dinge, die wir eigentlich lieben, die uns persönlich etwas bedeuten – die es hell in uns werden lassen. Hier bekommt auf einmal Raum und Bedeutung, was zuhause gerne immer wieder verschoben wird, weil vorher noch soviel dringenderes erledigt werden muss. Unser ureigenes Potential – oft hat unsere Familie oder das soziale Umfeld, in dem wir aufwuchsen, nichts mit unseren „Gaben“ anzufangen gewusst. Heute ist es an uns, ihren Wert anzuerkennen, um „unsere Fracht“ abliefern zu können. Hilfreich dabei ist es, für uns stimmige Plätze und Menschen zu finden, solche, die unsere Überzeugungen und Werte stützen und teilen.

Ich weiss, dass ich am richtigen Platz bin, wenn die Menschen in meinem Umfeld mich zum Lächeln und Lachen bringen und ich mich dort und in ihrer Gesellschaft „angekommen“ fühle, eben ganz bei mir!

Wenn wir in diese Richtung aktiv werden und uns dabei selbst treu bleiben, springt diese Freiheit, diese Glück auch auf den anderen über. Für Hindus ist dieses ganze Leben ein kosmisches Spiel, ein Tanz – sie nennen es LILA.

Darum ging es in diesen Tagen auf der Insel: Deinen Tanz zu finden und nicht danach zu fragen, ob du dabei eine gute Figur machst!
Wir alle haben im diesjährigen Kretaseminar ausprobiert, gespielt, geforscht  und in die ersten Schritte unseres Tanzes gefunden. Und jeder Tanz hat noch viele Drehungen und Figuren, die es zu entdecken gilt – tanzen wir also weiter…

Vieles von dem, was ich in meinen Seminaren erzähle oder hier schreibe, habe ich zunächst selbst irgendwo gehört oder gelesen. Das meiste davon habe ich dann erforscht, aber alles habe ich selbst am eigenen Leben erprobt.

Und so erzähle ich auch von dem, was ich über den Weg zum Glück weiß – aber es ist klar, daß das nicht reicht! Um deine Antworten zu finden, wirst du ihn selbst gehen müssen.

BIS HIERHER KONNTE ICH KOMMEN,
MANCHMAL,
NICHT IMMER,
BIS HIERHER KONNTEST DU MIT MIR KOMMEN.
JE WEITER WIR GINGEN
UMSO LEICHTER WURDE ES
AUF DEN WEG ZURÜCKZUFINDEN
UND UMSO SCHÖNER WURDE DIE LANDSCHAFT.
DER WEG STELLTE SICH ALD DER RICHTIGE HERAUS.
DER WEG, FÜR DEN WIR UNS ENTSCHEIDEN,
IST IMMER DER RICHTIGE.
ES GEHT UM DIE WAHL,
NICHT UM DAS ZIEL.

nach J. Bucay

Vielleicht können wir den Weg ein Stück gemeinsam gehen.

Herzlichst,

Brigitte

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