Nur zusammen mit Leere ist Fülle Erfüllung.
Das Leben braucht den Platz der Leere,
um sich auszubreiten
und seine einmalige Gestalt anzunehmen.

(Ulrich  Schaffer)

Es ist der 2.Januar 2017 – die letzten Besucher meiner „großen“ Familie fahren nach Hause. Hinter mir liegen 10 Tage, die angefüllt waren mit Lebendigkeit, Wärme, anregenden Gesprächen, Lachen, Spielen und gemeinsamen Mahlzeiten.

Mittendrin mein Mann und ich, unsere Tiere, das Häuschen, der Wald  – gewissermaßen als Zentrum und Achse, um die sich diese Tage entwickelten…

Jetzt ist von einer Minute auf die andere wieder Ruhe eingekehrt. Stühle werden weggeräumt, Betten abgezogen, Geschirr verräumt – wo die letzten Tage oft zusammengerückt werden musste, herrscht plötzlich wieder reichlich Raum. Stille und Leere machen sich wieder breit – ich kann sie förmlich hören und greifen.

Wie viel Bewusstheit diese Wechsel, diese Übergänge in unser Leben bringen können!

Meine Gedanken wandern zurück:

Wie habe ich mich auf die Weihnachtstage und das Jahresende gemeinsam mit meiner Familie und lieben Freunden gefreut. Jede neue Begegnung, jeder Augenblick, jedes Ereignis in diesen Tagen habe ich begrüßt und gesammelt, Nichts und Niemand wollte ich unbeachtet lassen. Selten habe ich mir Minuten des Rückzugs gegönnt, aus Angst, etwas Kostbares zu verpassen.

Und dann, im Laufe der Tage, füllte ich mich immer mehr mit Worten, Eindrücken und gemeinsamen Erlebnissen, allmählich verlor sich meine „Sammlerwut“. Ich fing an, die Möglichkeiten des Tages zu sichten und eine Auswahl zu treffen. Man kann nicht dauernd schöne Momente sammeln, und eigentlich ist ein Augenblick umso kostbarer, je seltener er ist.

Denn Schönheit entfaltet sich am Besten im freien Raum.

Und so stelle ich mal wieder fest, was ich schon lange weiß: In unserem Leben ist oft zu wenig freier Raum, um die Schönheit dessen zu sehen.
Der Terminkalender hat so wenig freie Seiten, der Tag so wenig freie Stunden, das Leben so wenig freie Räume, in denen wir allein sein können.

Zu viele Aufgaben, zu viele Menschen, zu viele Dinge. Oder besser:

zu viele wichtige Aufgaben, zu viele interessante Menschen, zu viele wertvolle Dinge. Denn unser Leben ist nicht nur mit Trivialitäten überhäuft, sondern auch mit Wesentlichem.
Wir können auch durch ein Zuviel an Kostbarkeiten erdrückt werden.

In diesen „leeren“ Tagen kriege ich wieder ein Gefühl für Zeit.

Zeit zur Besinnung.
Zeit, in Muße zu arbeiten.
Zeit, um nachzudenken.
Zeit, meinen Katzen zuzusehen, wie sie regungslos auf ihre Beute warten
und auch Zeit Menschen zu begegnen, ohne viel reden zu müssen.

Ich erlebe, dass ich schweigend neben meinem Mann sitzen kann und mit ihm die letzten Streifen des Tages teilen kann, die in allen Farben am Horizont glänzen.
Da wird das Mitteilen zum Teilhaftig werden.
Sie sind ein großes Geschenk – diese leeren Tage, die sich jetzt vor mir ausbreiten; aufgespannt zwischen den turbulenten Familienfeierlichkeiten der Weihnachtswochen und dem Beginn meines Arbeitsalltags im neuen Jahr. Nichts davon möchte ich in meinem Leben missen, aber nur zusammen mit der Leere dieser besonderen Tage entfaltet sich die Schönheit, die in der Fülle meines Lebens liegt.

Diese Leere wirkt wie eine Linse, die meinen Blick auf mein Leben schärfer stellt.

Für das neue Jahr wünsche ich mir, dass auch meine Seminare in 2017 für viele Menschen wie eine „Linse“ wirken. Ich lade alle daran Interessierten herzlich dazu ein, sich regelmäßig Pausen in ihrem Alltag einzurichten, um aus der Leere und dem freiem Raum dieser Seminartage wieder einen klareren Blick auf ihren Lebensweg zu erhalten.

Das neue Jahr beginnt im Januar mit der Abschlussgruppe des 2. Seminarprojekts „Lebendigkeit riskieren“ . Zwei Jahre spannende Auseinandersetzung mit sich selbst, gehen dann für 13 Menschen zu Ende. Viele sind durch intensive Verwandlungsprozesse gegangen, haben Veränderung zu- und alte Widerstände losgelassen.

Wenn wir in solchen Erneuerungsprozessen entdecken, was wir wirklich wollen, welche Wünsche, Visionen und Projekte wir konkret in unserem Leben realisieren wollen,
wenn wir bereit sind, unsere Energie dafür einzusetzen, dann kann es sein, dass sich das Leben uns von sich aus zuwendet – so als würde es von der Intensität unseres Wunsches angezogen.

Wenn wir ganz bei uns angekommen innehalten und uns Raum geben, uns auf unser Innerstes auszurichten, findet unsere Kompassnadel den „magnetischen Norden“ – die Richtung, die uns fehlte. Alles Übrige wird sich danach daraus ergeben und seine Ordnung finden.

Mit diesen berührenden Worten möchte ich mich bedanken bei allen Teilnehmern meiner „Arbeit“ im letzten Jahr

  • für die vielen Begegnungen, in denen es uns gelungen ist, Zuversicht und neue Lebensfreude zu wecken
  • für alle Seminare, in denen wir miteinander gelebt haben, statt, wie im Alltag oft üblich, gegeneinander
  • und für das mir entgegengebrachte Vertrauen, durch das die vielen Momente möglich wurden, die von Liebe, anstelle von Angst und Widerstand, getragen waren

Danke dafür – ich freue mich auf alle, die sich auch in diesem Jahr eingeladen fühlen, mit mir gemeinsam „auf innere Reise“ zu gehen,

In großer Verbundenheit,

Brigitte

Jahresbeginn 2017

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