August, 2021

22AugGanztägig03SepKreta 2021Familienbande

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„Familienbande“ Was wir bekommen haben – was wir weitergeben

Ein Lieblingsausspruch meines englischen Großvaters war immer:

„Blut ist dicker als Wasser – die Familie kommt immer zuerst!“

Er musste es wissen, als einer von 7 Geschwistern, ausgewandert aus Deutschland nach London als Kind. Zurückgelassen, als seine Eltern mit allen jüngeren Geschwistern, bei Ausbruch des 1. Weltkriegs, aus England ausgewiesen wurden.

Er wurde, da volljährig, interniert und erlebte die Zeit des 1. Weltkriegs alleine, ohne Familie und unter großen Entbehrungen und Angst. Als die Familie nach London zurückkehrte, entstand eine kleine „deutsche Gemeinde“, inmitten von Südlondon, alles Bäcker oder Metzger. Viele weitere Mitglieder aus dem weitverzweigten Familiensystem wurden nachgeholt, und alle lebten in einem starken und stützenden Familienverbund, es reichte für alle.

Wenn ich mir heute die Fotos aus dieser Zeit betrachte, sehe ich sie in allen Sozial- und Altersstufen. Beim sonntäglichen Picknick in Anzügen und feinen Kleidern, mit schwarzen Limousinen im Hintergrund.

In der Familienbäckerei, die einen schwitzend in Unterhemden in der Backstube, die anderen vorne im Geschäftsraum, gut gekleidet und sehr seriös. Das Hochzeitsfoto meiner englischen Großeltern in ihrer kleinen „Kirchengemeinde“ mit 54 Familienangehörigen, das hat Kraft und eine sehr eigene Ausstrahlung.

Alles wurde miteinander geteilt, keiner war alleine.

Aber da ich die Geschichtensammlerin in unserer Familie bin, weiß ich mehr, als ich da sehe. Ich weiß um die Kosten, die ein solcher Zusammenhalt einforderte:

  • die lebenslustige Schwester meines Großvaters, bitter geworden, weil ihr Ehemann für seinen Bruder ins Gefängnis ging, da er zu dieser Zeit fürs Familiengeschäft entbehrlicher war
  • der homosexuelle Bruder, der sein Leben lang zurückgezogen bei seiner Schwester leben musste, um die Familie vor „Schande“ zu bewahren
  • die Ur-Großmutter, die mit ihrem Ehemann seine ledige Schwester „mitheiratete“, mit der sie ihr ganzes Leben lang in einem Haushalt leben und ihren Ehemann teilen musste

Es gibt so viele Geschichten von Leid, Hass und Schmerz – und es gibt die, von Fürsorge, Zusammenhalt und großer Liebe.

Was also macht Familie aus, was macht ihr Blut dicker als Wasser? Es ist die Zugehörigkeit, die uns schon als Kinder Orientierung und das Gefühl von Sicherheit gegeben hat.

Wir nehmen die „Spielregeln“ quasi mit der Muttermilch auf und befolgen sie, um Teil des Ganzen zu sein und uns aufgehoben zu fühlen.

Da ist kein Raum zum Hinterfragen, um mal was anderes auszuprobieren oder einfach um auszuscheren.

Und später, da läuft das „Zugehörigkeitsprogramm“ unbewusst weiter und lässt uns oft Dinge tun oder sagen, von denen wir anschließend nicht mehr wissen, woher sie gekommen sind.

Unser Handeln scheint uns seltsam „entrückt“ – kein Wunder, stammt es oft auch aus lang vergangenen Tagen.

Es sind diese selbsterlebten, oder auch „systemimmanenten“ Erfahrungen aus noch früheren Zeiten, die uns durch unser Leben begleiten, auch die liebevollen, unterstützenden, die uns Selbstvertrauen und Sicherheit gaben. Aber gerade durch das Eingebundensein ins Familiensystem sind es diese Erfahrungen, die uns später mit unseren tiefsten Verletzungen und Schattenseiten in Berührung bringen.

Denn auch die Angst, vernichtet, verlassen oder verurteilt zu werden und Themen wie Eifersucht und Konkurrenz haben hier ihren Ursprung und tauchen in unseren späteren Beziehungen wieder auf. So vermeiden wir oft unbewusst, uns als Erwachsene in Beziehung zu anderen noch einmal tief einzulassen, um diesen ungelösten Themen in unserem Inneren nicht begegnen zu müssen.

Oder wir beschließen, alles ganz anders machen zu wollen – nur um in „Krisensituationen“ festzustellen, dass wir genauso gehandelt haben, wie unsere Eltern, Großeltern… Familie – erst die Bewusstmachung als „Erwachsene/r“, welcher Teil von mir in Begegnung gerade in Resonanz geht, ermöglicht tiefe, liebe-  und achtungsvolle Beziehungen.

Das Wissen um mein „Zugehörigkeitssystem“ und die Annahme meines verletzten Kindes, und schließlich der Mut, die eigene Verletzlichkeit anzuerkennen, all das ist notwendig für eine heilsame Selbstannahme – und letztlich auch der Annahme der eigenen Familie. Hier kann echte Heilung geschehen: das Kraftfeld Familie kann in einer positiven und stärkenden Form hinter uns treten und vor diesem Hintergrund dürfen wir endlich auch „ganz anders“ sein.

Die Erfahrung, in unserem „So-Sein“, geachtet und gewürdigt zu sein, ist in vielen von uns nicht vorhanden.

Über Zugehörigkeit, Anpassung, Leistung und „richtiges“ Verhalten, lernten wir innerhalb unseres Familiensystems, uns Anerkennung, Achtung und vor allem unseren Wert zu verdienen.

So kamen wir zu dem Schluss, im Grunde unseres Wesens wertlos zu sein.

Hier auf Kreta wollen wir in diesem Jahr versuchen, das Beste aus der engen Anbindung an unsere Familiensysteme mitzunehmen, aber auch, die alten Fesseln zu lösen, entstanden aus den unbewussten (und oft unbekannten) alten Verstrickungen, die bis heute für viel Leid und Leiden verantwortlich sind. Unterstützt von diesem besonderen Ort, der Sonnenwärme, dem Meer, der Natur und der Gemeinschaft wacher und mitfühlender Menschen, finden wir zurück zu uns. In uns entdecken wir einen Raum, der schon immer da war, und der all die Jahre, Glaubenssätze und Erfahrungen unbeschadet und heil überlebt hat.

In unserem ganz einzigartigen Wesenskern berührt, erkennen wir das, was wesentlich ist, und finden zu einer kreativen, selbstbestimmten und bejahenden Lebensgestaltung zurück. Und können dies auch (in der Erziehung unserer Kinder) weitergeben.

Hier schließt sich der Kreis: indem, was wir weitergeben, zeigt sich, was in uns lebt und lebendig sein darf!

Wir haben die Illusion dass es möglich sei, Fortschritte zu machen.
Aber wenn du so, wie du bist, völlig in Ordnung bist, musst du nirgendwo hingelangen.
Du bist bereits!
Samarpan

Der Preis für das Seminar beträgt 950,00 €, exkl. Unterkunft/Verpflegung oder An-/Abreise






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    Zeit

    August 22 (Sonntag) - September 3 (Freitag)

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